Wikinger trugen keine Hörnerhelme und auch keine Flügelhelme !!!

 

Die größte Fehlinformation über die Wikinger ist das Bild der Hörnerhelme, das im 18 Jahrhundert aufkam. Der einzige Helm, der für diese Beschreibung in Frage käme, wurde bei Vikso in Dänemark gefunden, hat 2 S-förmige Hörner und stammt aus der späten Bronze Zeit, in den Geschichtsbüchern wird er als sogenannter "Ritualhelm"  (siehe auch die Seite "Wikinger" unter Wikinger-Hochzeit, Bild) geführt und ist wahrscheinlich keltischen Ursprungs (800-400 v. Chr.) Hollywood hat diese Form von Helm dann weitgehend in den dementsprechenden Filmen als Hörnerhelme publiziert.

   

Die Helme die Wikinger wirklich trugen, könnt Ihr u. a. auf dem nachfolgenden Bild sehen.

Die Krieger der Wikinger erkennt man sofort. Über 300 Jahre lange versetzten Wikinger ihre Gegner in Angst und Schrecken; sie kämpften in Europa, Russland und sogar am Mittelmeer. Für gewöhnlich waren sie gut ausgerüstet, zumindest wenn sie fern der Heimat fochten, und die meisten waren professionelle Soldaten, die ihre Waffen mit erschreckender Professionalität führten.

Für die Wikinger war das Kriegshandwerk eine edle Kunst, und Erfolg im Kampf wurde häufig mit Beute, Land oder Status belohnt. Wenn ein Krieger im Kampf fiel, war ihm, wenn er tapfer gefochten hatte, ein Platz in Walhalla sicher, der Festhalle der Walküren, bis er von den Göttern zur letzten Schlacht zwischen Gut und Böse gerufen wurde. Die Psychologie des Kriegerkults, der Blutdurst der Berserker und die Verehrung der Kriegshelden in Saga und Dichtung dienten dazu, die Tapferkeit auf dem Schlachtfeld zu erhöhen, ohne Rücksicht auf persönliches Risiko. Das Resultat waren Krieger, die zu den furchtlosesten ihrer Zeit zählten.


Doch der sonst auf seine Unabhängigkeit bedachte Wikingerkrieger war auch Teil eines gut eingespielten Teams, die eher durch Beispiel als durch Befehl geführt wurden. Die Sagas verbreiten sich jedoch lieber über die Taten Einzelner und enthalten unzählige Berichte über Geschicklichkeit und Grausamkeit der Wikinger im Kampf, zu Lande oder zu Wasser. 

Die wachsende Autorität der skandinavischen Herrscher führte zur Bildung großer stehender Heere und Flotten, zur Organisation von Truppenaushebungen und zum Bau beeindruckender Festungen. Dies waren Zeichen einer Veränderung. Die Wikinger waren von den Seefahrern des 8. Jahrhunderts zu Soldaten in den mächtigen nationalen Armeen der letzten zwei Jahrhunderte der Wikingerzeit geworden. Dies waren die Streitkräfte, die das Schicksal des angelsächsischen Englands und des keltischen Irlands entschieden und die, die ausschwärmten, um Sizilien und Süditalien zu kolonisieren, um 1066 nach Britannien zurückkehrten, um es ein für alle mal zu erobern.

 

Der einfache Krieger

Die wenigsten Wikinger, die an den frühen Plünderfahrten teilnahmen oder Angehörige der späteren Wikingerheere waren, verfügten über großen Reichtum, um sich teure Rü­stungen oder Waffen zu leisten. Vermutlich bestand das Gros der Kämpfer aus nur mit Axt oder Speer und Schild bewaffneten sogenannten Karls. Bei ihnen handelte es sich um freie Männer, die in ihrer Heimat eventuell Land besaßen, Waffen führen durften und dem Aufruf eines Jarls oder später Königs zu einer Plünderfahrt nach England oder dem kontinentalen Europa auffreiwilliger Basis Folge leisteten. Es gab aber auch Karls, die einem Hersir, also einem regionalen Führer, aus dem einen oder anderen Grunde verpflichtet waren und deshalb auf Wiking gingen. Für diese ursprünglich armen Bauern konnte eine erfolgreiche Plünderfahrt, so sie überlebten, den Erwerb von großen Reichtümern bedeuten, da das erbeutete Gut nach Abzug des Teils für den Schiffsbesitzer und eventueller Privilegierter gerecht unter der restlichen Besatzung aufgeteilt wurde. Für seine Ausrüstung, die er auf die Plünderfahrt mitnahm, war er selber verantwortlich, so dass diese selten mehr als das auf seinem Hof vorhan­dene Material umfasst haben wird. Es wird angenommen, dass jeder Krieger, der auf Wiking ging, sein persönliches Hab und Gut in einer trapezförmigen Holzkiste transportierte, die ihm an Bord der Wikingerschiffe auch gleichzeitig als Ruderbank diente. Während seiner Abwesenheit vom Hof führte seine Frau die dortigen Geschäfte weiter und seine Knechte erledigten die anfallenden Arbeiten und verteidigten notfalls den Hof.

 

Der "Hersir"

Bei diesem Wikingerkrieger könnte es sich um einen Hersir, also einen wohlhabenden Bauern mit eigenem Landbesitz handeln, der Häuptling, Führer eines Clans oder einer Region ist. Der Besitz von Helm, Kettenhemd und Schwert deutet auf großen Reichtum hin. Zu Beginn der Wikingerepoche waren die Hersir die Führer und Organisatoren von Plünderfahrten und Landnahme, allerdings schwand ihre Macht zum Ende des 10. Jahrhunderts, als nordische Königreiche entstanden. Der Hersir wurde zum regionalen Machtorgan des Königs. Der Glauben unseres Hersir scheint sich im Übergang von den alten Göttern Thor und Odin zum Christentum zu befinden. Um den Hals trägt er eine Mischung aus Thors Hammer und Kreuz, die ein Wolfskopf ziert. Das Schmuckstück stammt aus Island und ist auf das 10. Jahrhundert datiert, als hier der Religionswechsel stattfand. 

Das Schildmotiv zeigt eine Szene, die Snorri Sturluson in der Prosa-Edda beschreibt. Zwei Wölfe jagen ihm zufolge Sonne und Mond über den Himmel und sorgen so für den Wechsel von Tag und Nacht. Wenn sie sie eines Tages erreicht haben, werden sie sie verschlingen und das Ragnarök beginnt, der Weltuntergang im nordischen Glauben. Dann werden die Götter an der Seite der toten Krieger in die letzte Schlacht gegen die Riesen ziehen, und mit dem Tod der alten Götter endet auch unsere Welt. Möglicherweise ist unser Hersir sogar getauft, aber allzu genau nahmen es die Wikinger mit der Taufe selten. Manchmal ließen sie sich nur aus Gründen besserer Handelsbeziehungen zu den Christen taufen, manchmal nur wegen der Taufgeschenke und selbst wenn der Täufling dann an Land in die Kirche ging, opferte er auf See oft weiterhin den alten Göttern.

 

Der "Varäger"

Nicht nur als Händler oder Plünderer traten die Wikinger in Erscheinung, sondern auch als bezahlte Krieger ähnlich den heutigen Söldnern. Als bekannte­stes Beispiel dient hier die Varägergarde von Byzanz. Zwar standen auch vorher schon Wikinger im Dienst der byzantinischen Herrscher, aber eine Garde aus Wi­kingern wurde erst 988 durch Kaiser Basil 11 aufgestellt, der 6000 Krieger von Vladimir von Kiew zur Verfügung gestellt bekam. Frühere Quellen geben Auskunft über 400 Wikin­ger, die mit den byzantinischen Truppen 935 in Italien einfielen und über 600, die 949 mit Byzantinern auf .  

Kreta kämpften, so dass den Byzantinern die Kampf­kraft skandinavischer Krieger schon vorher bekannt war, was wohl nicht zuletzt auch auf zwei gescheiterte Plünderungsversuche durch Wikinger in Miklagard zu­rückzuführen ist. 955 kämpften Varäger für Byzanz ge­gen die Araber in der Schlacht von Hadath. Von 988 an bildete die Varägergarde ein Kernstück der byzantini­schen Armee und bewachte und schützte die byzantini­schen Herrscher, denen die Angehörigen der Garde den Treueeid schwören mussten. Der Name Varäger leitetet sich wahrscheinlich von dem nordischen "Var" ab, das eine Gruppe von Männern bezeichnet, die einem Anführer die Treue geschworen haben. In Byzanz selbst wur­de die Varägergarde als "Äxte tragende Barbaren" oder "Garde der Axtträger" bezeichnet.  

Auch heute sind noch viele Namen von Skandinavi­ern bekannt, die Dienst in der Varägergarde taten. Im 11. Jahrhundert führte Ragnvald, ein Angehöriger der Garde, die byzantinischen Truppen in Griechenland. Zwischen 1035 und 1044 diente Harald Hardrada, der spätere norwegische König, als Unterführer in der Gar­de und führte 500 Gardisten. Die Varäger waren aller­dings wohl lange nicht so ritterlich, wie es oftmals in nordischen Sagen überliefert wird, vielmehr gibt es­ Quellen, die Übergriffe der Gardeangehörigen, meist unter Alkoholeinfluss, auf Michael VII sowie einen wei­teren Herrscher 1079 belegen. Die Bezahlung der Gardisten war übermäßig und das Einkommen von Harald Hardrada wurde als so groß bezeichnet, dass kein Nordeuropäer zuvor solchen Reich­tum besessen habe. Auch hatten die Gardeangehörigen auf Feldzügen ein Vorrecht beim Plündern eroberter Städte. In nordischen Sagen ist auch davon die Rede, dass sie eine Art ritueller Plünderung der kaiserlichen Gemächer vor der Thronbesteigung eines neuen Herr­schers durchführen durften, eine Information, deren Wahrheitsgehalt zu bezweifeln ist. 

 

Der "Rus"

Nur eine kurze Schifffahrt über die Ostsee trennt Skandinavien von den Flüssen Russlands. Auf dem Dnjepr gelangten die Wi­kinger bis ans Schwarze Meer, auf der Wolga zum Kaspischen Meer. Von dort war es nicht mehr weit zu den Handelszentren Konstantinopel, der Metropole des Byzantinischen Reichs, und Bagdad, der Hauptstadt des Kalifats. Schwedische Wi­kinger (von den Slawen, Griechen und Arabern "Waräger" oder "Rus" genannt) stellten sogar die Leibwache des Kaisers von Byzanz. Über die Raubzüge im Osten gibt es kaum Aufzeichnungen. 

Man kann jedoch die Spur der "Rus" anhand von Schmuck- und Waffenfunden sowie Runeninschriften durch ganz Russland verfolgen. Die Wikinger nahmen Slawen gefangen, um sie als Sklaven zu verkaufen, und tauschten sie gegen Seide, Gewürze und arabische Münzen, die so nach Skandi­navien gelangten.

 

 

Die Waffen der Wikinger

Die Waffen waren für die Wikinger generell von sehr großer Bedeutung. Nicht nur im Kampf sondern auch und gerade im Tode. Oft wurden sie einem Toten zusammen mit seinen anderen Wertsachen ins Grab gelegt. Zudem galten Waffen als Statussymbol, denn je größer die gesellschaftliche Bedeutung und das Vermögen eines Mannes war, desto prächtiger war auch seine Kampfausrüstung.

 

Die wohl meisten verbreitete und auch angesehenste Waffe der Wikinger war das Schwert, durch dessen Hiebe man dem Gegner enorm zusetzen konnte, wie Skelettfunde zeigen. Anhand der manchmal auf den Klingen eingravierten Namen der Schmiede lässt sich nachweisen, dass diese damals oft aus dem Frankenreich importiert wurden. Für die hohe Qualität dieser Schwerter war die Technik des Damaszierens verantwortlich, bei der mehrere verschiedenartige Eisen- und Stahlstränge miteinander tauartig zusammengedreht und dann breit gehämmert werden. Die Seiten wurden mit Stahl verstärkt, da dieser härter und besser zu schärfen ist; eine Rinne auf der in der Regel zwischen 70 und 80 cm langen zweischneidigen Klinge machte das Schwert leichter und elastischer. Die wikingischen Schmiede übernahmen wahrscheinlich diese Technik von den Franken, wodurch ihre selbst hergestellten Schwerter den Importprodukten in nichts nachstanden.

Die Schwertgriffe (die aus Holz, Horn oder Ähnlichem bestanden und somit in der Regel nicht erhalten sind), Knäufe und Parierstangen wurden oftmals mit Elementen der nordischen Kunst verziert, indem man sie tauschierte, also einen Draht aus Edelmetall (meist Gold oder Silber) mit einarbeitete. Man bewahrte sie in der Regel in lederbespannten Holzscheiden, die mit Vlieswolle ausgekleidet waren, auf.

 

         

Auch der Speer war eine beliebte Waffe. Seine bis zu 50 cm lange Klinge wurde mit dem gleichen Verfahren wie die des Schwertes hergestellt und dann mit einer Tülle auf einem Holzschaft befestigt. Im Gegensatz zum Speer, der geworfen wurde, war bei der Lanze die Klinge kräftiger und schwerer und somit zum Zustechen bestens geeignet. Auch Speere wurden zuweilen kunstvoll verziert.

Streitäxte wurden im Kampf sehr häufig eingesetzt und stehen noch heute symbolisch für die Grausamkeit der Wikinger. In vielen Fällen ließen sich diese Äxte nicht von den als Werkzeuge verwendeten unterscheiden, allerdings gab es auch spezielle Breitäxte mit einer verlängerten Schneide. Da man die Streitäxte aufgrund ihres langen Schaftes mit zwei Händen führen musste, wurden sie nur im Kampf zu Fuß eingesetzt.

Man benutzte auch Kampfmesser mit kurzen, einschneidigen Klingen, die häufig zusätzlich zum Schwert mitgeführt wurden. Auch Pfeil und Bogen wurden, vor allem zu Beginn von Kämpfen, des öfteren eingesetzt, ansonsten aber mehr zur Jagd verwendet. Man hat zwar unzählige eiserne Pfeilspitzen gefunden, doch Bögen sind, da sie aus (Eiben-)Holz bestanden, nur sehr selten erhalten.        


Zum Schutz dienten meist aus Lindenholz gefertigte Rundschilde, die normalerweise einen Durchmesser von circa einem Meter hatten. Manche Schilde wurden mit Leder bezogen und der Rand mit Eisen verstärkt; zuweilen brachte man auch Metallbeschläge als Verzierung an oder bemalte den Schild farbig.